Sommerfrische rund um Garmisch-Partenkirchen

Wasserwanderungen

Wenn im Hochsommer die Temperaturen steigen, gibt es nur zwei Möglichkeiten: ein schattig-kühles Plätzchen oder hoch hinauf. Oder beides. Die Region um Garmisch spielt dann seine Trümpfe aus: hohe Gipfel, schöne Bergseen und wilde Klammen.

Text: Andrea Strauß /  Fotos: Andreas Strauß

»Ganz früh morgens geh ich zum See runter. Und dann wieder abends. Aber tagsüber, das bringt’s nicht. Man kühlt ja überhaupt nicht mehr ab.« Wenn meine Mama anfängt, über die Sommerhitze zu jammern, dann muss es schlimm sein. Dabei jammert sie auf hohem Niveau: kein Computerlüfter, kein Büromief, kein Schlafzimmer auf der Westseite unterm Dach. Seit fast zwei Wochen sind die Piktogramme auf der europäischen Wetterkarte tiefrot und keine Temperaturangabe, die nicht mindestens mit einer Drei beginnt.

Rettung ist aber in Sicht. Für die nächste Woche Sommerfrische ist bereits gepackt und die Landkarte liegt am Küchentisch. »Bayerische Alpen, Blatt BY8«. Von etlichen Schweißtropfen wellig geworden, ist das Blatt 8 unser Rezept für ein wenig Kühle rund um Garmisch-Partenkirchen. Seen, Bäche, Klammen und wenn alles nichts mehr hilft, dann in Kombination mit hohen Gipfeln. So kommen wir der Hitzewelle bei!

Kaltstart

Kräftig grün liegt der Eibsee vor uns. Für mich ist er der Inbegriff für Erfrischung. Eineinhalb bis zwei Stunden kann man an seinem Ufer entlangwandern und hat ihn dann in normalem Gehtempo einmal umrundet. Für den Spätnachmittag unserer Ankunft ist das genau das Richtige. See und Berg, Ruhe tanken und die Seele baumeln lassen, Wellenplätschern statt Telefonklingeln.

Trotz der verhältnismäßig langen Strecke wird es nie langweilig. Dafür sorgen einige kleine Inseln, der Blick auf Deutschlands höchsten Berg, der sich mit seiner imposanten Nordflanke über dem Eibsee erhebt und ihn im Hochsommer ein paar Stunden mehr mit Schatten versorgt als den Rest der Gegend, und die unzähligen Buchten. Geschaffen wurde diese Idylle durch die letzte Eiszeit und einen gewaltigen Bergsturz, dessen Überbleibsel die Inseln und einige Untiefen sind.

Runter mit den Schuhen, rein ins Wasser! Wenn das kein erfrischendes Fußbad ist! Mehr als 22 bis 23 Grad misst das Eibseewasser auch im Sommer nicht. Auf knapp 1.000 Metern Höhe gelegen bleibt er immer kühl. Als Therapie für meine sicher 50 Grad heißen Beine ist das Eibseewasser perfekt. Man könnte ihn glatt in Eissee umtaufen!

Ein Entenpaar plantscht am Ufer. Als sie uns bemerken, schwimmen sie sofort näher. »Habt ihr Brot für uns? Wir nehmen auch Semmeln.« So interpretiere ich ihre neugierigen Blicke. Aber wir müssen sie enttäuschen, die knusprigen Dünzinger-Brezen aus unserer Garmischer Lieblingsbäckerei haben keine fünf Minuten überlebt. Bald drehen uns die beiden den Rücken zu und kurz darauf gründeln sie mit dem Hinterteil zu uns am Seeboden, als wären sie jetzt beleidigt.

Selbst bin ich ein Wintermensch, aber das Schöne am Sommer ist, dass alle gut drauf sind, dass das Eis noch besser schmeckt und dass die Bergseen Badetemperatur haben.


Den vollständigen Beitrag lesen Sie in Heft 03/2019.
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