Über alle Berge

Im Sattel von den Alpen zur Adria auf dem Alpe Adria Radweg

Viele Radler träumen davon, über die Alpen zu strampeln. Der Alpe Adria Radweg ist gut ausgebaut, 410 Kilometer lang und voller Überraschungen. Radler besichtigen Burgen, spazieren durch Museen und schlemmen sich durch die lokalen Spezialitäten. Eine Reise für alle Sinne!

Text/Fotos: Thorsten Brönner

Radler, die das erste Mal über die Alpen strampeln möchten, sind hin und her gerissen, so wie unsere Bekannte Anja gerade. »Durch die Berge. Oh ja, das muss toll sein! Doch wie soll ich das schaffen, so untrainiert?« Meine Frau Monika und ich sprechen Anja Mut zu und erklären den Verlauf des Alpe Adria Radwegs. Monika schwärmt von Salzburg, den Hohen Tauern und dem Mittelmeer. Und als ich erwähne, dass wir im Mittelteil mit dem Zug durch einen Tunnel fahren, also nicht über eine hohe Passstraße schnaufen müssen, leuchten Anjas Augen. Sie nickt. Na dann, hinein ins Abenteuer Transalp!

Die letzten Radler

Die Luft ist frisch und der Himmel tiefblau. Einzig am Nordrand von Salzburg verbirgt zäher Nebel das Alpenvorland. Uns zieht es ja mit der Sonne gen Süden zur Adria. Rund 410 Kilometer möchten wir bis dorthin mit den Fahrrädern zurücklegen, mitten durch das Herz der Ostalpen. Unsere Vorfreude steigt, je länger wir durch die engen Gassen Salzburgs schieben, je mehr Cafés wir passieren. Doch der Aperol Spritz muss warten! Auch die Pizza und das Eis. Jetzt kann uns selbst Salzburg nicht halten.

Wir schwingen uns in die Sättel, rollen am Dom vorüber und fahren am Fluss Salzach entlang. Die Umgebung vollzieht einen Wechsel: Die weißen Prachtbauten Salzburgs weichen grünen Auwäldern, die Parks verwandeln sich in Wiesen und Felder. Nach 33 Kilometern ist das Genussradeln vorbei. 

Die Berge sind mittlerweile zu einer stattlichen Höhe angewachsen und zwingen den Radweg bergan. Anja und Monika sind am Pass Lueg hochkonzentriert, schlagen sich gut. Noch. »Runter schalten«, rufe ich den Mädels über die Schulter zu – doch die sind längst zu Fußgängern geworden. Die Abfahrt wirkt wie eine Vitaminspritze: 

Im Schein der wärmenden Sonnenstrahlen zaubert der Laubwald lodernde Farben in die Landschaft – von goldgelb bis glänzend rot-braun. Der schäumende Fluss hält mit einem hellen Grau-Grün dagegen.


410 km

Rund 410 km lang ist der Fernradweg Alpe Adria Radweg, der vom österreichischen Salzburg über die Alpen bis ins italienische Grado an die Adria führt.

 

Eine traumhafte Lage

Auch am zweiten Morgen umschmeicheln die Sonnenstrahlen das Gesicht. Von Bischofshofen aus führt der Alpe Adria Radweg in zwei Geländestufen bergan. Die beeindruckende Liechtensteinklamm ist im Moment noch geschlossen, wird aber gegen Ende der Sommersaison wiedereröffnet. Wir picknicken am Ufer der Salzach und fotografieren in Bad Gastein den großen Wasserfall.

Südlich des Ferienortes steigt die Route noch ein Stück an. Die Beine zwicken, Müdigkeit überkommt uns. Immer wieder drücken wir den Schalthebel, doch längst dreht sich die Fahrradkette im niedrigsten Gang. 

Dann sind wir oben auf einem Talboden. Von den Gipfeln des Nationalparks Hohe Tauern her zieht das Dunkel der Nacht auf. Der Radweg endet auf 1.170 Meter Höhe am Bahnhof Böckstein. Ein Zug hält. Wir steigen ins Radabteil und fahren durch den 8,4 Kilometer langen Tauerntunnel in den Höhenluftkurort Mallnitz. Leichter kann man die Hohe Tauern nicht durchqueren.

Vor dem dritten Teilstück heißt es erst mal Bremsen prüfen. Dann sausen wir auf zehn Kilometern 550 Höhenmeter zu Tal. Hui! Kehre folgt auf Kehre. Anja und Monika lassen die Räder laufen. Die Dörfer Rabisch, Lasach und Obervellach fliegen vorbei. Gegen Mittag blitzt das Band der Drau aus dem schattigen Uferwald hervor. Wir packen an einer ruhigen Kapelle Obst und eine Brotzeit aus.

Auch auf dem Drau-Radweg rollt es sich leicht voran. So halten wir nach entspannten zwei Radstunden in der Altstadt von Villach. Die Lage der mit 60.000 Einwohnern zweitgrößten Stadt Kärntens ist beeindruckend: Im Westen schieben sich die Gailtaler Alpen in das Klagenfurter Becken. Gen Norden überragt das Zackenband der Gurktaler Alpen die Burgruine Landskron und im Süden begrenzt die imposante Kulisse der Karawanken das Blickfeld. Dorthin führt unser Weg.

Wer am Reiseziel Grado noch nicht genug hat, kann eine entspannte Fahrt nach Triest oder Venedig anhängen. Beide Städte liegen an der EuroVelo 8, der Mittelmeer-Route.


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Die GPS-Daten wurden von unseren Autoren und dem Verlag erfasst und nach bestem Wissen überprüft. Abweichungen oder Fehler können allerdings nicht ausgeschlossen werden, da sich zum Beispiel auch die Gelände-Situationen zwischenzeitlich verändern können. Sachverstand in der Beurteilung der jeweiligen Gegebenheiten vor Ort ist also unabdingbar.



Den vollständigen Beitrag lesen Sie in Heft 03/2019.
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